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Die „Evangelische Frauenhilfe“ (2 / 3)

Im zweiten Teil der Geschichte der „Evangelischen Frauenhilfe“ erzählt die unbekannte Verfasserin von den sozialen Aktivitäten ab dem Zweiten Weltkrieg.

Emblem "Evangelische Frauenhülfe"
Emblem "Evangelische Frauenhülfe"

„Als Herr Dr. Odefey das Schwesternheim verkauft hatte, zogen wir mit unserer Nähstube in die Bahnsenallee 2. Frau Vogelsandt konnte dann nicht mehr mitmachen und verstarb nach einem erfüllten und gesegneten Leben 1946. Wir gedenken ihr in großer Dankbarkeit. Auch in der Bahnsenallee hatten wir nicht lange eine Bleibe und so zogen wir mit unserer Nähstube, die sehr beansprucht wurde, in die Bahnhofstraße 8 über der Kreissparkasse, wo wir 9 Jahre wirkten.

Jedes Stück Stoff wurde ausgenutzt, was manchmal schon im Plünnenbeutel gelandet war. Es langte dann oft noch für eine Passe oder einen Kragen, auch als Besatz zum Paspeln. Eine Frau aus Pommern hatte mal eine Vogelscheuche ausgezogen, die sie auf dem Felde entdeckt hatte. Alles hatte sie peinlich gewaschen und geplättet. Und so entstand aus derlei Stoff ein nettes Kleid. Wir waren alle sehr stolz auf unser Machwerk. Jeder war ja so bescheiden!

Zur Konfirmation wurden verschiedene Mädchen eingekleidet. Aus einer Modenzeitung durften sie sich ihre Modelle aussuchen. Mit den Jungens, meistens 5-8 Jahre alt, fuhren wir nach Hamburg zu der Firma Dykhoff, die preiswerte Anzüge für sie aussuchte. Die Herren Dykhoff waren immer sehr entgegenkommend. Reste für Kinderkleider, -mäntel, -hosen, -röckchen, Damenwesten usw. konnten wir gut gebrauchen. Wenn wir von der Firma Dykhoff solch Paket erhielten, war die Freude groß und es ging dann schnell an die Arbeit. Es waren gute Stoffe. Mit den Jungens gingen wir dann in die Bäckerei Örtel am Stephansplatz nach oben, wo eine Kaffeestube eingerichtet war. Dort konnten sie sich an Kakao und Kuchen laben. Für die Begleiterinnen gab es dann Kaffee und Kuchen. Von verschiedenen Gönnerinnen wurde alles gestiftet und Frau Schwarz war immer besonders großzügig. So wurde unsere Kasse trotz kleiner Beiträge niemals leer. Frau Luis, die wohl die erste Kassiererin war, war dann längst verstorben und Frau Begemann übernahm die Kasse.

Im Krieg haben wir durch die Nazis auch nicht zu leiden brauchen und so durften unsere Zusammenkünfte immer stattfinden. Mit der Frauenschaft haben wir gut zusammengearbeitet. Sie teilten uns zwar die Stoffe zu, die wir für unseren Bezirk benötigten, aber unsere Wünsche wurden fast immer erfüllt.

Für erholungsbedürftige Mütter wurde auch viel getan. Sie wurden in unser Erholungsheim „Timmendorferstrand“ geschickt, auch nach Goslar, Bad Harzburg usw. Meistens kamen sie erholt und begeistert zurück und konnten dann ihre Familie wieder freudig betreuen. Durch das Müttergenesungswerk bekamen und bekommen wir auch noch heute Zuschüsse für diese gute Sache.

Die Haussammlungen führten die Bezirksmütter der Frauenhilfe durch, ebenfalls den Blümchen- und Kartenverkauf.. Viele schöne Stunden haben wir in den langen Jahren zusammen verlebt, indem wir, wie auch heute noch, Ausflüge machten, ernste und lustige Vorträge hörten. Es gab kleine Theateraufführungen, Lichtbilder, lebende Bilder wurden gestellt usw.

Als Frau Schwarz sehr leidend wurde, übernahm Frau Gierhake alle Pflichten der Leiterin und wirkte in ihrem Sinne weiter und gab sich viel Mühe in ihrem schweren Amt. Frau Busch, die unsere Missionsbeauftragte war, erledigte einen Teil der schriftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Frauenhilfe, wie sie es lange Jahre vorher bei Frau Schwarz getan hatte, bis ins hohe Alter.

Unserer verehrten und geliebten Frau Doktor, wie wir sie immer nannten, verdanken wir sehr viel. Die Frauenhilfe und der Mütterkreis waren ihr Lebenswerk, an dem sie mit großer Liebe und Treue hing. Leider hatte sie ein ganz schweres Krankenlager, wurde aber rührend umsorgt und gepflegt von Frau Martha Vogelsandt, bis unser Herrgott sie am 11. Januar 1964 von ihrem schweren Leiden erlöste. In Ehrfurcht und großer Dankbarkeit besuchen alle, die sie kannten und liebten, heute noch ihr Grab, und sie wird uns ein leuchtendes Vorbild sein und bleiben.

Frau Busch, die vor einigen Jahren heimging, behalten wir in guter Erinnerung und danken ihr herzlich für die ihr so liebgewordene Arbeit. So sehr am Herzen lag ihr die innere und äußere Mission. Sie erhielt das Breklumer Sonntagsblatt [eine Missionszeitschrift] und so wurden uns die Berichte von ihr immer vorgelesen, die sie für uns gut hielt und uns interessierten.

Nach dem Tode von Frau Schwarz wurde dann am 27. Januar 1964 Frau Gierhake offiziell in ihr Amt eingeführt, was sie schon einige Jahre vertreten hatte. Seit der Zeit, wie auch vorher, hat sie sich viel Mühe gegeben um uns Frauenhilfsschwestern zu erfreuen. Dafür danken wir ihr auch an dieser Stelle sehr, sehr herzlich.“